Magirus Deutz LF 8 Urkunde 
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Aus der Geschichte des Feuerschutzes in Mühlhausen

om Anfang der Geschichte an begleitet das Feuer den Menschen als wohltätige, aber auch furchtbare Naturkraft. Darum gab es lange vor der Gründung der Feuerwehren in unseren Dörfern genaue Anweisungen, wie Brände zu verhüten waren, denn bei der Holzbauweise der bäuerlichen Anwesen mit strohgedeckten Dächern war das wichtiger als die Brandbekämpfung. In Mühlhausen läßt sich die Geschichte des Brandschutzes weiter zurück verfolgen als in den meisten übrigen Gemeinden. So berichtet Pfarrer Richard Matthes in seinem umfangreichen Werk "Die Gemeinde Mühlhausen (Ofr.) in Vergangenheit und Gegenwart" von der Mühlhausener Gemeindeordnung vom 27. April 1626. Darin gilt Flachs und Hanf als besonders feuergefährlich, weshalb seine Bereitung bei Licht oder Feuer verboten war. Besondere Obhut mußte dem offenen Feuer gewidmet werden. Ausbrechendes Feuer durch "Verwahrlosung" wurde mit zehn Gulden Strafe geahndet "ohne alle Gnade". Die Schlöte mußten rein gefegt und alle Quatember durch zwei Feuerschauer besichtigt werden. Jahrhundertelang änderte sich an diesen Zuständen nichts. Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts gingen die Nachtwächter in Mühlhausen ihre Runde. Sie mußten bisweilen zu erhöhter Wachsamkeit ermuntert werden, wie das Sitzungsprotokollbuch für Mühlhausen aus dem Jahre 1852 vermerkt. Neben den "Nachtlautwächtern", welche die Stunden ausriefen, dienten die "Stillwächter" dem Feuerschutz. Sie sollten besonders die FrevIer zu entdecken versuchen, die nächtlicherweile schon öfter den Schneckleinsgraben abgelassen hatten. Dieser Graben nördlich des Ortes, der für den Bau der Nebenbahnstrecke Strullendorf-Schlüsselfeld um die Jahrhundertwende zugeschüttet wurde, war neben der Reichen Ebrach der zweite Löschwasservorrat für Mühlhausen. Er muß recht wasserreich gewesen sein, sonst hätte man ihn nicht am 27. Februar 1878 für zehn Mark auf drei Jahre an den Meistbietenden, den Gastwirt und Bierbrauer Wilhelm Kolm, verpachten können. Ab 1860 hörte der Dienst der "Stillwächter" auf.

Der aktive Brandschutz bestand noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einer spontanen Nachbarschaftshilfe, bei der man mit ledernen Löscheimern und der klassischen Eimerkette einem Schadenfeuer beizukommen versuchte. Doch gab es in Mühlhausen schon vor anderthalb Jahrhunderten eine kleine Druckspritze, in deren Pumpenkasten das herbeigetragene Wasser geschüttet und durch eine Handpumpe mit dem Strahlrohr auf den Brandherd geworfen wurde. Diese "Feuerlöschmaschine" wurde durch eine größere ergänzt, wahrscheinlich im Jahre 1825. Das veranlaßte der Patrimonialrichter Friedrich Wülfert - der Gründer der Schützengesellschaft - mit dem Dekan und Pfarrer Christoph Benedict Hoffmann. Dekan Hoffmann und Gastwirt Nicolaus Stahlmann - ein.

hnherr der Familie Haas - sammelten freiwillige Beiträge zur Bestreitung der Anschaffungskosten. Es kamen 770 Gulden zusammen, die Gemeinde zahlte die restlichen 280 Gulden drauf. Die neue Spritze hatte 1830 Ihre Bewährungeprobe zu bestehen. An einem heißen Sommertag brach ein gefährlicher Brand in einem Judenhaus in der oberen Gasse aus. "Durch den guten Gebrauch der beiden Spritzen und die große Tätigkeit der Ortseinwohner und fremder Nachbarn kam das Feuer nicht weiter, es wurde bald gelöscht und den Eigentümern ihre sämtliche Mobilia gerettet", berichtete Dekan Hoffmann. Noch gefährlicher war ein fürchterliches Feuer, bei dem am 19. November 1830 nachts acht Uhr die größte Scheune in der Badgasse plötzlich in Flammen stand, die auch die Nachbarhäuser ergriffen. Es wurde aber, ohne weitere Verheerungen anzurichten, auf die gleiche Weise gelöscht.

Um die Bürger immer wieder an die lebenswichtige Brandverhütung zu erinnern, mußten beim Herannahen des Winters mit vermehrtem Gebrauch von Feuer und offenem Licht die feuerpolizeilichen Vorschriften in Erinnerung gebracht werden. Bei Vermeidung strenger Geld oder Arreststrafen waren verboten: der Gebrauch des offenen Lichtes, Span- oder Schleißenlichtes und das Tabakrauchen in Stallungen, Scheunen, Schupfen und an Orten, wo leichtentzündliche Gegenstände aufbewahrt sind, sowie auf Straßen bei heftigem Winde, das Flachs- und Hanfdörren in den Wohnungen und Nebengebäuden und das Flachs- und Hanfbrechen zur Nachtzeit, das Holzdörren in, an und auf den Öfen und das Hängen oder Stellen leichtentzündlicher Gegenstände auf und an den Öfen, Verwahrung der Asche und Glutkohlen in anderen als Irdenen oder eisernen Gefäßen und die Aufschüttung desselben auf Holzböden, das Schießen in oder in der Nähe der Ortschaften, der Gebrauch der Hausböden als Scheunenböden, das Fässerpichen und überhaupt das Feuermachen In der Nähe von Gebäuden. Die Handelsleute durften die Zündhölzchen, die ursprünglich Reibfeuerzeuge hießen, nur in irdenen oder metallenen Gefäßen aufbewahren. Mit einem Maurer oder Zimmermann mußte der Gemeindevorsteher Im Frühjahr und im Herbst eine Feuerschau vornehmen und alle Räumlichkeiten in den Haupt- und Nebengebäuden sorgfältig untersuchen.

ie Organisation des Feuerlöschwesens auf dem Lande wurde durch den Erlaß von "Distriktspolizeilichen Bestimmungen über das Feuerlöschwesen" geregelt. Danach waren alle männlichen Bewohner vom 18. bis 55. Lebensjahr feuerwehrpflichtig. Dieser Pflicht wurde entweder durch den Eintritt In eine Freiwillige Feuerwehr oder in die organisierte Gemeindefeuerwehr (Pflichtfeuerwehr) Genüge geleistet. An der Spitze der gesamten Gemeindefeuerwehr stand ein Kommandant. Die Wehrmänner hatten dreierlei Funktionen: Die Steiger versahen den Schlauchführerdienst, die Aufstellung der Leitern und legten gefahrdrohende Gebäudeteile ein. Die Spritzenmänner bedienten die Löschmaschinen und hatten für die Wasserbeschaffung zu sorgen. Die Ordnungsmänner besorgten das Ausräumen der bedrohten Gebäude und bewachten die geretteten Sachen. Wie aus vielen Protokollnotizen hervorgeht, galt der Dienst in einer Freiwilligen Feuerwehr als ehrenvolle Aufgabe, für die man nur Mitglieder mit einem völlig unbescholtenen Lebenswandel haben wollte. Darum konnte man nicht einfach in die FFW eintreten, sondern der Verwaltungsrat beschloß die Aufnahme, wenn dagegen keine Erinnerung bestand. Die neuen Mitglieder wurden durch Ablegen eines Handgelübdes vereidigt. Hingegen war der Dienst in der Pflichtfeuerwehr ein lästiges Muß, das allen Mitgliedern einer FFW drohte, die ihren Dienst vernachlässigten.

Nach dem Deutsch-französischen Krieg 1870/71, der eine unvorstellbare nationale Begeisterung hervorrief, entstanden in unserer Heimat im Verlauf weniger Jahre zahlreiche Freiwillige Feuerwehren. Den äußeren Anlaß zur Gründung der Mühlhausener FFW gab der Brand der Mühlscheune 1875, zu dem die Pommersfeldener Feuerwehr unter dem Kommando des Bezirksfeuerwehrvertreters Karl Wollenweber zur Hilfeleistung erschienen war. Das stramme Zusammenwirken dieser Wehr weckte den Wunsch nach einer eigenen Feuerwehr. Der damalige zweite Lehrer Johann Baptist Friedrich Mattick, der Bierbrauer Wilhelm Kolm und der Kaufmann Julius Wassermann riefen die Freiwillige Feuerwehr Mühlhausen mit etwa dreißig Mitgliedern in der Gastwirtschaft Kolm ins Leben. Ihr Gründungsdatum 5. Februar 1876 ist durch eine Urkunde des Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes vom 1. Januar 1899 exakt nachzuweisen. Von Anfang an waren die Mitglieder von einem hohen Idealismus beseelt. Jeder Feuerwehrmann zahlte zur Schonung der schmalen Gemeindekasse seine Uniform selbst, nur die Messinghelme zu je sechzehn Mark und die sonstige Ausrüstung beschaffte die Gemeinde.

as Vereinslokal war anfangs die Gastwirtschaft Kolm, später die Gastwirtschaft Schmidt am Marktplatz. Doch fanden früher Ausschußsitzungen und Generalversammlungen auch in den anderen Gasthäusern statt. Die Anzahl der aktiven Mitglieder lag vor dem Ersten Weltkrieg bei über hundert, zusammen mit den passiven schwankte sie um hundertdreißig herum. Das war schon Kompaniestärke. Darum brauchte man zu ihrer Führung über ein Dutzend Chargen, wie man früher die Dienstgrade nannte. An der Spitze stand der Vorstand. Das Kommando bei den Übungen und Einsätzen führte ein Hauptmann. Wie in jedem Verein, gab es Schriftführer und Kassier, dann einen 1. und 2. Adjutanten, einen Zeugwart und einen Spritzenmeister, einen Obersteiger und einen Vorsteiger, einen Spritzenführer der großen und einen Spritzenführer der kleinen Spritze, den Zugführer der Rettungsmannschaft, einen Fahnenträger, den Bandagenträger mit der Sanitätstasche, und zeitweilig wurde sogar Dr. Martin Scheiding als Feuerwehrarzt genannt. Auch ein Vereinsdiener durfte nicht fehlen. Die aktive Mannschaft nannte sich voll Stolz ein Corps. Die ersten Vorstände waren Julius Wassermann und Johann Sickmüller. Als weitere Vorstände folgten von 1898 bis 1901 Fritz Kolm, dann für kurze Zeit Konrad Baureis, der nach Walsdorf verzog, von 1901 bis 1904 Johann Schmidt, dann bis 1908 Andreas Hertlein, anschließend Leonhard C. Pröls bis 1911 und schließlich achtzehn Jahre lang Jakob Hertlein. Als erster Kommandant war Friedrich Mattick tätig, der aber 1877 nach Nürnberg versetzt wurde. Die größten Verdienste um die FFW MühIhausen in ihrer Anfangszeit erwarb sich Hauptmann und Schriftführer Isaak Fleischmann, unter dessen Kommando sich Mühlhausen zu einer Musterfeuerwehr emporschwang. Er starb mit 43 Jahren im März 1895. Noch in der Generalversammlung von 1904 wurde er als unvergessener Hauptmann Fleischmann gerühmt. Sein Erbe übernahm der bereits erwähnte Konrad Baureis und 1901 Johann Faatz. Dann war Josef Hellmann Kommandant bis 1910. Ihn löste Johann Hirschmann ab, der die FFW bis in die unselige Zeit des Dritten Reiches kommandierte und sich als einziges, Ehrenmitglied auf das bevorstehende Jubiläum freut. Es würde den Rahmen dieser Schrift überschreiten, die übrigen Chargen namentlich aufzuführen, doch soll wenigstens Schriftführer Hieronymus Kotschenreuther genannt werden, dessen saubere Protokollführung eine gute Vorstellung vom Wirken der FFW im vorigen Jahrhundert gibt. Alle diese Männer hatten es mit der Führung der Feuerwehr zumindest genau so schwer wie die heutige Vereinsführung; die Zusammenarbeit mit der Gemeinde war zuweilen unerquicklich, wie sich noch zeigen wird.

Die Übungen unterschieden sich wesentlich von den heutigen, bedingt durch eine andere Ausrüstung. Neben der exakten Bedienung der Handpumpen spielte das Besteigen der Gebäude mit den verschiedenen Leitern eine wichtige Rolle, da man zur Bekämpfung eines Schadenfeuers wegen der geringen Reichweite der Handspritzen möglichst nahe an den Brandherd herankommen mußte. Deshalb wurde für Inspektionen durch den Bezirksfeuerwehrvertreter ein Brandobjekt und ein Besteigungsobjekt bestimmt. Die Teilnahme an den Übungen war recht unterschiedlich. Im Protokollbuch wiederholen sich ständig Klagen über laxes Ausrücken mit der Ermahnung zu regerer Beteiligung. Erstaunlicherweise verliefen die Inspektionen trotzdem recht zufriedenstellend. Als stumpfes Damoklesschwert schwebte über den nachlässigen Mitgliedern die Zuteilung an die Pflichtfeuerwehr. Stumpf deshalb, weil eine solche zumeist nur auf dem Papier bestand, obwohl am 17. Dezember 1877 durch einen Beschluß des Gemeindeausschusses eine Pflichtfeuerwehr organisiert wurde. Zu Ordnungsmännern und Wasserträgern wurden achtzehn Mann verpflichtet, zu Spritzenmännern 28 Mann und zu Rettungsmännern acht Mann. Jährlich sollten vier Übungen gehalten werden. Da die Mitgliedschaft in der FFW als Ehrensache angesehen wurde und die gesellschaftliche Stellung hob, konnte man auch ohne Pflichtfeuerwehr den Feuerschutz in Mühlhausen sichern. Ein wichtiger Tag im Jahreslauf der FFW war der Geburtstag von Prinzregent Luitpold am 12. März. Er wurde am Vorabend mit dem Zapfenstreich der Spielleute, dann mit Tagreveille, wie der Weckruf genannt wurde, und Kirchenparade gefeiert. Zur Förderung von Kameradschaft und Geselligkeit bürgerten sich die Feuerwehrbälle ein. Eine soziale Einrichtung für die Mitglieder war die Sterbekasse des Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes. In der großen Versicherung wurden beim Tod eines Mitglieds 350 Mark, in der kleinen Versicherung 200 Mark ausbezahlt, für die Hinterbliebenen eine willkommene Hilfe.

u einer bescheidenen Verbesserung der Geräteausrüstung kam die Initiative von außen. Die Münchner und Aachener Mobillar-Feuer-Versicherungs-Gesellschaft bot der Gemeinde eine neue Druckspritze an. Der Gemeindeausschuß lehnte am 19. Mai 1880 dieses Angebot aus mehreren Gründen ab und hätte statt dessen lieber den Gegenwert in Geld genommen, um die noch schuldigen Reparaturkosten von etwa 300 Mark für die beiden vorhandenen Spritzen bezahlen zu können. Diese Bitte blieb unerfüllt, denn der Versicherung war verständlicherweise nur an einer Hebung des Feuerschutzes gelegen, nicht an dessen Stillstand. So bequemte sich der Gemeindeausschuß am 9. August 1880 nach langem Hin und Her zur Annahme. Damit bekam die FFW ihre dritte Spritze, die heute in Simmersdorf untergebracht ist und am 15. August 1957 zum letztenmal eingesetzt wurde. Aus den statistischen Angaben des Bezirksamtes Höchstadt vom 27. Mal 1887 erhalten wir einen aufschlußreichen Einblick in den Stand des Feuerwehrwesens ein Jahrzehnt nach Gründung der FFW Mühlhausen. Sie zählte 104 Mitglieder, die Pflichtfeuerwehr 54. Die dunkelgrauen Röcke der Freiwilligen waren aus Baumwollstoff, sechzig Messinghelme und zwanzig Dienstmützen waren vorhanden. Mit Ausnahme des Hammerbeils waren die Steiger vollständig ausgerüstet. Spritzenmänner und Ordnungsmänner trugen zu ihren Uniformröcken Gurte und Helme. Dagegen mußte sich die Pflichtfeuerwehr mit blauen Armbinden für die Spritzenmänner und gelben für die Ordnungsmänner begnügen. An Löschgeräten waren zwei nicht abprotzbare vierräderige Druckspritzen ohne Saugwerk vorhanden, die seit sechs Jahrzehnten den Geräte bestand bildeten, dazu die abprotzbare zweiräderige Druckspritze ohne Saugwerk, das erwähnte Geschenk der Feuerversicherung, eine fahrbare Schlauchhaspel, 72 Meter gewöhnliche Hanfdruckschläuche mit Normalgewinde, eine Anstelleiter mit Stützstangen, zwei zweiholmige Hakenleitern mit einem Haken, drei Dachleitern, vier Steigerlaternen, eine Branddirektionsfahne, eine Sanitätstasche, drei Trompeten, eine Hupe und zwölf Pfeifen. In dieser Aufstellung fallen die vielen Leitern auf. Bei der begrenzten Reichweite der handbetriebenen Druckspritzen waren sie damals viel wichtiger als heute, wo man vom Boden aus jeden Dachstuhlbrand erfolgreich bekämpfen kann. 1886 hielt die Freiwillige Feuerwehr fünf Übungen, die Pflichtfeuerwehr vier. Zur Löschwasserversorgung gab es sieben Brunnen im Ort, die meisten waren Gemeindebrunnen, zwei Feuerweiher im Schnecklein nördlich des Dorfes und die Reiche Ebrach. Die Bespannung für den Transport der Spritzen war an drei Fuhrwerksbesitzer "verakkordiert", den Feuerreiterdienst zur Herbeiholung von Hilfe aus den Nachbarorten besorgten Gemeindefeuerboten.

Trotz aller Widrigkeiten stellte die FFW bei den Brandfällen ihren Mann und bewährte sich in mutigem Einsatz. Der wurde bis zum letzten Mann gebraucht, als Mühlhausen am 8. August 1887 seinen Schreckenstag des 19. Jahrhunderts erlebte.

Gegen halb zwei Uhr brach in der Scheune von Josef Rattmann ein Feuer aus, welches rasch das Wohnhaus dieses Anwesens, dann das benachbarte Schmiede-Anwesen von Konrad Kurzmann ergriff und diese Gebäude einäscherte. Durch umherfliegende brennende Garben wurde die mehr als hundert Meter entfernte Scheune des Spezereihändlers Scheller in Brand gesetzt. Innerhalb einer halben Stunde verbreitete sich das Feuer über eine Reihe benachbarter Anwesen. Ein starker Ostwind begünstigte die Ausbreitung des Flammenmeeres. Das verheerende Element legte 21 Gebäude in Asche, darunter acht Wohnhäuser. Mit größter Mühe gelang es den eingesetzten Wehren, das Brauhaus Spitzbarth, später Dingfelder, zu retten, dessen massive Bauweise den Flammen Einhalt gebot. Es bedurfte ungeheurer Anstrengungen, da an der östlichen Giebelseite dieses Hauses ein großer Holzstoß unter starker Hitzeentwicklung abbrannte. Um vier Uhr fuhr die Bamberger Feuerwehr heraus und kam gegen sechs Uhr auf dem Brandplatz an. Sie hatte eine Saugspritze zur Verfügung. Zuletzt waren neunzehn Feuerwehren mit 22 Spritzen in Tätigkeit, welche alle Hände voll zu tun hatten, um die immer noch sehr starken Gluten zu dämpfen. Eingesetzt waren die Freiwilligen Feuerwehren von Bamberg, Burgebrach, Burghaslach, Burgwindheim, Elsendorf, Höchstadt, Lonnerstadt Mailach, Mühlhausen, Oberköst, Pommersfelden, Schlüsselfeld, Steppach, Wachenroth, Weiher, Weingartsgreuth und einige Pflichtfeuerwehren der Umgebung. Selbst Graf Schönborn, der in Pommersfelden weilte, half bei der Löscharbeit. Erst gegen elf Uhr nachts konnte die Gefahr für die Gemeinde Mühlhausen als beseitigt gelten, doch mußten sich in der Nacht noch acht bis zehn Spritzen um die völlige Abdämpfung beider Brandstätten bemühen. Von dem Umfang des Brandunglücks zeugt auch die Rechnung für die Bewirtung der ausgedörrten Feuerwehrmänner. Sie betrug 230 Mark, für die damalige Zeit eine beachtliche Zeche. Noch am 10. August gab es glühende Massen von Dörrfutter und Getreide. Der einzige Trost in dem grausigen Unglück: Ein Verlust an lebender Habe war nirgends zu beklagen. Die ältesten Bürger von Mühlhausen haben diesen Tag noch erlebt, doch ist das furchtbare Geschehen in ihrer Erinnerung verblaßt.

Zu einer solchen Katastrophe konnte sich keines der folgenden Schadenfeuer mehr ausweiten. In der Nacht vom 22. zum 23. März 1896 brannten die Scheunen von Johann Spitzbarth, Carl Pröls, und Johann Hirschmann, das Wohnhaus von Hirschmann und die Holzlege von Pröls nieder. Vier Spritzen waren im Einsatz, von auswärts aus Schirnsdorf und Horbach. Die Scheunen des Schuhmachermeisters Tränkenschuh und des Schneidermeisters Leistner fielen am 27. August 1899 dem Feuer zum Opfer. Dabei wurde in Ausübung seines Dienstes der Obersteiger Jakob Gelenius "beschädigt" und dafür mit 20,70 Mark entschädigt. Mit vierzig Mann und der großen Spritze eilte die FFW am 16. September 1900 zu einem Brand nach Pommersfelden. Wahrscheinlich 1902 war ein kleinerer Brand bei Franz Ströber zu löschen, dessen Haus im heutigen Garten von Karlfritz Hänelt stand. Am 6. Dezember 1910 brach vormittags beim Ziegler Fritz Kressel ein Feuer im Brennofen aus, das außerdem die Trockenhalle und die Scheune einäscherte. Noch immer mußte man dem Feuer mit den veralteten Druckspritzen zu Leibe rücken und das Wasser hertragen und -fahren. Das mag entschuldigen, daß es wieder zu Klagen über fehlende Lust und Liebe zum Feuerwehrdienst kam.

25 Jahre nach der Gründung wäre ein Jubiläum fällig gewesen, aber es wurde nicht gefeiert. Die Feuerwehr befand sich wieder einmal in einem Tief. Dafür wurden in der Generalversammlung am 19. Januar 1902 zum erstenmal Ehrenzeichen für 25jährige ununterbrochene Dienstzeit an die treuen Mitglieder verliehen. Das erhielten beileibe nicht alle papierenen Mitglieder in einer Massenabfertigung, sondern "nur Mitglieder mit einem völlig unbescholtenen Lebenswandel und gewissenhafter Pflichterfüllung". Ein wahrhaftes Ehrenzeichen! Das 30jährige Vereinsjubiläum wurde mit Glanz und Gloria begangen. Die Mitglieder spendeten freiwillige Beiträge, um die schwache Kasse zu schonen. Vom Samstag, 9. Juni, bis Montag, 11. Juni 1906, wurde gefeiert. Am Samstagabend mit Zapfenstreich, Sonntag Kirchenparade mit Festpredigt von Pfarrer Richard Matthes zum Trinitatistag, Ovation und Festrede auf dem Marktplatz, nachmittags Übung, Konzert auf den Kellern, abends Ball bei Haas, am Montag Frühschoppen mit Musik bei Dollinger in der Badgasse.

Die Geschichte der Saug- und Druckspritze, auf die unsere Wehr heute noch stolz ist und die beim Jubiläum des Patenvereins Pommersfelden den Blickfang im Festzug bildete, ist mehrere Jahrzehnte älter als sie selbst. So lehnte der Gemeindeausschuß am 23. Juli 1876 die Mahnung des Königlichen Bezirksamts Höchstadt auf Anschaffung einer Saug- und Druckspritze mit einer Beschwerde zur Königlichen Regierung ab, nur der Bevollmächtigte David Reizenstein stimmte für die Anschaffung. Der große Brand von 1887 bewies aber das dringende Bedürfnis danach. Am 9. März 1898 bekam Schriftführer Kotschenreuther den Auftrag, sich über die Anschaffung einer Saug- und Druckspritze zu informieren. Bei der Gemeindevisitation am 29. Juni 1899 wurde die Beschaffung einer neuen Feuerlöschmaschine als unbedingt notwendig bezeichnet. Unter dem 20. November 1901 findet sich der Vermerk: "Die Anschaffung einer neuen Feuerlöschmaschine muß ernstlich in Erwägung gezogen werden". Simmersdorf hatte überhaupt keine Spritze. 1904 scheiterte ein Versuch des Verwaltungsrates an der Hartnäckigkeit der Gemeinde, die sich keine weitere Schuldenlast aufbürden wollte. Sie hatte den Grunderwerb für den Bau der Nebenbahnstrecke Strullendorf-Schlüsselfeld noch nicht verdaut. Zwar beschloß der verstärkte Gemeindeausschuß am 23. Juni 1905 die Anschaffung einer neuen Feuerlöschmaschine, aber die folgende Gemeindeversammlung am 1. Oktober lehnte ihn mit Mehrheit ab. Daraufhin verschob der Gemeindeausschuß am 17. Februar 1906 die Anschaffung. Zudem hatte man noch Ärger mit der Druckspritze. Bei einer Spritzenprobe durch Bezirksfeuerwehrvertreter Franz Kauppert, Wachenroth, am 1. April 1906 ging das Pumpwerk zu hart. Es waren sechzehn Mann erforderlich, die wegen Oberanstrengung zweimal in der Minute abgelöst werden mußten. Eine Ausbohrung des zu engen Strahlrohres schaffte prompt Abhilfe. Forthin konnte die Spritze 300 Liter Wasser pro Minute 26 Meter weit werfen und von acht Personen leicht bedient werden. Auch im Vergleich zu Motorspritzen eine respektable Leistung! Aber der erwähnte Brand beim Ziegler Kressel von 1910 zeigte erneut, wie notwendig für uns eine Saug- und Druckspritze ist so ein Vermerk im Protokollbuch. "Der alte Zopf mit dem Wassertragen sowie Zufahren desselben hat hierbei allseitige Beanstandung und Störungen ergeben. Wäre ein Sauger sofort am Platze gewesen, wie leicht hätte das Feuer bewältigt werden können". "Die hiesige Einwohnerschaft und insbesondere die Damenwelt, die sich bei Bränden immer so besonders auszeichnet, wäre hierbei ganz außer Spiel zu lassen, da sich die Feuerwehr ihr benötigendes Wasser selbst beschafft". Der Verwaltungsrat beschloß am 28. Dezember 1910, einen Aufruf an die Einwohnerschaft zu richten und eine Listensammlung durchzuführen. Sie brachte jedoch nicht das erhoffte Ergebnis und die Anschaffung mußte wieder zurückgestellt werden. Immerhin wollte man die Spritze anschaffen, wenn man 700 Mark beisammen hätte, und hielt eine Theateraufführung zur Stärkung des Spritzenfonds. Deswegen begnügte sich der Visitationsbericht vom 24. Juli 1911 mit der Feststellung: "Die Anschaffung einer neuen Feuerspritze durch die Freiwillige Feuerwehr unter entsprechender Zuschußleistung der Gemeinde ist beabsichtigt". Zunächst rührte sich wieder nichts. Jetzt riß dem Verwaltungsrat die Geduld. Vorstand Pröls, Kommandant Hirschmann und Schriftführer Wahle beschwerten sich am 25. November 1912 schriftlich beim Bezirksamt gegen die Gemeinde Mühlhausen wegen Nichtanschaffung einer Saug- und Druckspritze. Bereits vor zwanzig Jahren habe man die Gemeinde um die Anschaffung einer neuen Spritze ersucht, hieß es darin. Die Freiwillige Feuerwehr habe vor zwei Jahren einen Spritzenfonds gegründet und bereits 500 Mark angesammelt. Mit berechtigtem Stolz konnte man darauf verweisen: "Seit ihrer Gründung im Jahre 1876 hat die Wehr die Mittel für ihre Uniformen und Ausrüstungsgegenstände stets selbst aufgebracht, ohne die Gemeinde mit einem Pfennig zu belasten". Bittere Klage führten die Beschwerdesteller gegen Decheldorf: im übrigen sei noch der Ortsgemeinde Decheldorf mit etlichen 30 Hausnummern und ohne Wehr gedacht. Diese Ortschaft . . . ist eine Gegnerin im vollsten Sinne des Wortes und will von einem Löschdienste überhaupt nichts wissen. Diese Bewohner von Decheldorf rühmen sich öffentlich, daß sie weder Spritze noch Feuerwehr benötigen und auch wollen." Der Wahrheit willen muß der Chronist an dieser Stelle hinzufügen, daß sich inzwischen die Verhältnisse in Decheldorf gründlich gewandelt haben. Das Schreiben wirkte, wenn auch mit Verzögerung. Der Gemeindeausschuß beschloß am 28. Mal 1913, der Gemeindeversammlung die Anschaffung einer neuen Feuerspritze nicht über 1.500 Mark anzuregen. Zu dieser Gemeindeversammlung mußte noch der Vorstand des Bezirksamtes, Regierungsrat Braun mit Distriktsbautechniker Batz, auftreten. Am 19. Juli 1913 wurde endlich die neue Saug- und Druckspritze bei der Firma Magirus, Ewald & Lieb GmbH in München, zum Preis von 1.650 Mark bestellt. Bezirksfeuerwehrvertreter Adam Amtmann, Höchstadt, setzte die Probe auf Sonntag, 8. November 1913, fest. Der heutigen Gemeinde wird es nicht gelingen, diesen Rekord an Saumseligkeit bei der Errichtung des neuen Feuerlöschbeckens zu überbieten.

Im Ersten Weltkrieg waren im September 1914 bereits 48 Feuerwehrmänner eingezogen. Darum wurde eine Ersatzfeuerwehr eingeführt mit Männern von 16. bis 60. Lebensjahr. Wenige Monate nach dem Waffenstillstand fiel eine Inspizierung zur großen Zufriedenheit aus, ein Beweis für die ungebrochen Lebenskraft der Mühlhausener Wehr. Selbstverständlich wurde Johann Hirschmann wieder zum Kommandanten gewählt. An dem militärischen Charakter der Feuerwehr hatte der verlorene Krieg nichts geändert, und so war Hirschrnann als ehemaliger Offiziersstellvertreter und Kompanieführer der richtige Mann. Unter seinem schneidigen Kommando exerzierten die Feuerwehrleute auf dem Zimmerplatz. Zu nassen Übungen hatte man außer dem Bach einen kostenlosen und zuverlässigen Löschwasserbehälter, wenn auch für seinen Besitzer recht unerwünscht. Im Keller von Hans Hertlein in der Kleinen Dorfstraße stand immer genug Wasser, das bei den Übungen nicht auszupumpen war. Heute ist der Kellereingang zugemauert. In diesen Jahren erlebte die FFW Mühlhausen die zweite Blütezeit ihrer Geschichte, wenn man den Aufschwung zur Musterwehr unter Hauptmann Fleischmann als erste betrachtet.

Altbürgermeister Johann Hirschmann, seit 21. Februar 1904 Mitglied, vom 6. Januar 1910 bis 2. Mai 1933 Kommandant, einziges Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Mühlhausen

Die Inflation setzte auch der FFW zu, für den Vereinsdiener mußte man eine Bierwährung einführen. In der Generalversammlung vom 16. März 1924 hatte man einen Kassenbestand von 22 Pfennigen, aber wertbeständigen, zu denen Altkommandant Hellmann zwei Goldmark beisteuerte. Trotz der armen Kasse erblühte neues Leben aus den Ruinen von Krieg und Inflation. Unter Leitung von Hellmann und Hirschmann spielte man am 18. und 25. Mai Theater und schaffte mit dem gestiegenen Vereinsvermögen zehn Blusen und zehn Mützen an. Auch die alten Freunde Mühlhausens vergaßen ihre Heimat nicht. Otto Reizenstein schickte aus Chicago 100 Mark für Utensilien, wurde 1925 zum Ehrenmitglied ernannt und revanchierte sich 1926 mit 50 Dollar, das gab 207,30 Mark. Nun konnte man sich an die Vorbereitungen zum 50jährigen Jubiläum wagen, das wieder an einem Trinitatisfest, am 30. Mai 1926, gefeiert wurde. Als Festplatz war der Marktplatz ausgeschmückt. Da sich Pfarrer Matthes Im Ruhestand befand, predigte der Verweser Pfarrer Karl SchmIdt, Pommersfelden, im Festgottesdienst. Zur Gefallenenehrung hielt Kommandant Hirschmann eine ergreifende Ansprache vor dem Kriegerdenkmal, Vorstand Jakob Hertlein die Festrede auf dem Marktplatz. Nachmittags wurde eine exakte Übung durchgeführt und anschließend ein Festzug. Die noch lebenden Gründer wurden als Ehrenmitglieder besonders ausgezeichnet. Es waren ihrer zwölf: Friedrich Mattick, der erste Kommandant, Nürnberg, Konrad Baureis, Walsdorf, dann Johann Schmidt, Friedrich Baier, Johann Wedel, Andreas Hertlein, Jakob Möhringer, Albrecht Hertlein, Konrad Kurzmann, Friedrich Pickel, alle Mühlhausen, Johann Haas, Simmersdorf, Andreas Lorz, Schirnsdorf. Mit Feuerwerk und Fackelzug wurde der Sonntag beschlossen, mit einem Vereinsball am Montagabend bei Dingfelder das Fest. In der Generalversammlung vom 12. Mai 1929 wurde Bürgermeister Thomas Bär neuer Vorstand, Jakob Hertlein unter Begeisterung der Mitglieder zum Ehrenvorstand ernannt.

Bei den Brandfällen nach dem Ersten Weltkrieg brauchte die FFW Mühlhausen mit ihrer Saug- und Druckspritze von 1913 nicht mehr hinter den Nachbarwehren zurückstehen. 1921 brannte die Scheune der Brauerei Haas im Schnecklein, bei drei auswärtigen Bränden brauchte die Wehr nicht in Tätigkeit treten. Dafür war ihre Hilfe hochwillkommen beim Brand der Anwesen Bauer und Schmidthammer in Steppach am 6. September 1926, bei dem vier Schweine in den Flammen umkamen. Und am 19. November 1931 bedrohte ein Feuer aus der Scheune und den Nebengebäuden das Wohnhaus von Georg Volland in Steppach, das durch das Eingreifen der Feuerwehren von Steppach, Pommersfelden, Mühlhausen, Oberndorf, Schirnsdorf und Limbach verschont blieb. In Volkersdorf brannte am 15. November 1928 abends die Scheune des Landwirts Wellein. In Höchstadt vermutete man die Flammen gleich hinter dem Königswald. Die Feuerwehren Wachenroth, Elsendorf, Mühlhausen und Weingartsgreuth beschränkten das Feuer auf seinen Herd. Durch Blitzschlag wurde am 14. August 1930 die Scheune des Landwirts Benkert in Wachenroth mit allen Erntevorräten samt der Holzlege eingeäschert. Hier bewährte sich die FFW Mühlhausen ebenso wie beim Scheunenbrand der Anwesen Niklas und Beyer in Oberköst am 1. Oktober 1930.

Ein neuer, aber böser Wind wehte nach der Machtergreifung Hitlers. Von ihm blieb auch die FFW Mühlhausen nicht verschont. Kommandant Hirschmann zog am 2. Mai 1933 die Konsequenzen und trat zurück. Wahlen waren unwichtig geworden. Der Bürgermeister ernannte am 16. September 1933 Michael Zürl zum neuen Kommandanten. In der Generalversammlung vom 18. März 1934 stellte Adam Gelenius den Antrag, Johann Hirschmann, Leonhard Pröls und Thomas Bär zu Ehrenmitgliedern zu ernennen, aber sein Antrag verlief sich im Getriebe der nazistischen Diktatur und ging erst nach "tausend Jahren" 1946 in Erfüllung. Die jüdischen Mitbürger, die sich von Anfang an große Verdienste um die FFW Mühlhausen erworben hatten, waren jetzt "Nichtarler" und konnten ab 1936 nicht mehr Mitglieder sein. Der freie Bürgersinn, der gerade In Mühlhausen ein reges, vielseitiges Vereinsleben und hochherzlge Gemeinschaftswerke hervorgebracht hatte, war unerwünscht. Die FFW durfte kein bürgerlicher Verein mehr sein sondern hatte polizeiliche Hoheitsaufgaben zu übernehmen. Nur eines hatte sich nicht geändert: die Drohung mit der Pflichtfeuerwehr.

Im Zweiten Weltkrieg hörte der Feuerwehrdienst nicht auf , doch litt er sehr unter den zeitbedingten Umständen. Hans Hoffmann sprang als Kommandant in die Bresche und führte die Übungen mit den jungen Leuten durch, die noch nicht einberufen waren, unterstützt von einigen älteren Feuerwehrmännern. Man konnte mit der alten Spritze von 1913 sogar nasse Übungen halten, wobei man mit Vorliebe das unbeabsichtigte "Löschwasserbecken" in der kleinen Dorfstraße benutzte. Mit der Verschärfung der Kriegslage wurde ein nächtlicher Wach- und Bereitschaftsdienst angeordnet. Im alten Rathaus wurde das Wachlokal eingerichtet. Alle zwei Stunden löste sich eine Streife mit zwei jungen und einem älteren Wehrmann ab. Brandfälle gab es zum Glück in der Gemeinde Mühlhausen während des Krieges nicht, doch eilte die FFW am 29. September 1943 beim Scheunenbrand im Anwesen von Michael Schnepf in Weingartsgreuth zur Hilfe, brauchte aber nicht in Tätigkeit zu treten. Das Ende des Krieges mit dem Einmarsch der Amerikaner ging für Mühlhausen gnädig vorüber, obwohl höchste Gefahr bestand, wie die Beschießung von Steppach am 14.April 1945 eindringlich bewies. Die Amerikaner rückten von Decheldorf her in Mühlhausen ein und ihre Machtübernahme verlief glimpflich

Aus dem Chaos von Krieg und Zusammenbruch erhob sich die FFW Mühlhausen in einer Versammlung am 28. April 1946. Als Vorstand wurde Leonhard C. Pröls gewählt, als Kommandant Johann Beyer, Kassier wurde Wilhelm Kurzmann und Schriftführer Adolf Maar. Nun konnte man endlich die alten, treuen Mitglieder Leonhard Pröls, Jakob Hertlein und Johann Hirschmann in Würdigung ihrer Verdienste zu Ehrenmitgliedern ernennen. Wie vor dem Ersten Weltkrieg bei der Anschaffung der neuen Spritze, führte man sogleich eine Sammlung zum Kauf einer Motorspritze durch, die bis zum Jahresbeginn 1948 ein Vereinsvermögen von 1.887 RM ergab. Nach alter Tradition hielt man zur Erhöhung des Kassenbestandes mehrere Bälle in der Turnhalle. 1947 war ein ungewöhnlich trockener Sommer, der eine erhöhte Brandgefahr brachte. Dreimal wurde die Feuerwehr zur Hilfe gerufen. Am 11. August brannte die Holzlege im Anwesen von Georg Trautner aus. In Schirnsdorf wurde am 22. August Scheune und Holzlege von Leonhard Schmidt durch Blitzschlag zerstört und vom 27. zum 28. August brannten in der Gastwirtschaft "Schwarzer Adler"; in Wachenroth zwei Scheunen, zwei Ställe und ein Hofhaus nieder. Die Wehr beteiligte sich außerordentlich rege an diesen Rettungsaktionen, wobei Wilhelm Haas mit seiner Bespannung zum rechtzeitigen Erscheinen an den Brandstellen beitrug.

Ehrenmitglied Pröls verstarb im November 1947. An seine Stelle wählte die Generalversammlung vom 20. Januar 1948 Georg Rattmann zum neuen Vorstand. Der Wunsch nach einer leistungsfähigen Motorspritze führte zu verschiedenen Initiativen der Feuerwehr, aber alles war angesichts der bevorstehenden Währungsreform und der mangelnden Unterstützung durch die Behörden umsonst. Erst mit wertbestänidigem Geld und der langsamen Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse konnte man das Vorhaben mit Erfolg weitertreiben. In der Generalversammlung vom 22. Januar 1950 wurde außer Vorstand Rattmann eine neue Führungsmannschaft gewählt, nämlich Kommandant Friedrich Fleischmann, Stellvertreter Hans Derrer, Schriftführer Lorenz Bär, Kassier Friedrich Faatz. Mit diesem Verwaltungsrat nahm die FFW zu Beginn der fünfziger Jahre einen bemerkenswerten Aufschwung. Sie hielt - noch immer mit der alten Spritze von 1913 - mehrere Übungen, auch zusammen mit der Höchstadter Wehr und bei Nacht, mit denen Krelsbrandinspektor Hans Fuchs, Höchstadt, und Kreisbrandmeister Johann Sapper, Pommersfelden, sehr zufrieden waren. Seit zwei Jahrzehnten sind die gemeinsamen Übungen benachbarter Wehren im Rahmen einer Feuerschutzwoche Mitte Oktober ein fester Bestandteil des Übungsprogramms.

Aber weil das Maschinenzeitaiter für die Mühlhausener Wehr noch nicht ongebrochen war, ging der aktive Betrieb wieder zurück. Erst die Anschaffung eines modernen Löschgerätes regte die Aktivität von neuem an. Im August 1952 kaufte die Gemeinde von der Firma Albert Ziegler, Geingen (Brenz), 300 Meter B-Schläuche für 2.583,86 DM. Die gleiche Firma lieferte 1953 eine Tragkraftspritze TS 6/6, die samt Zubehör auf 5.473,00 DM kam. Am 7. März 1953 meldeten sich 24 Feuerwehrmänner zur Aufstellung von drei Löschgruppen an. Das neue Motorlöschgerät wurde am 10. März 1953 in Anwesenheit von Landrat Peter Weber und Kreisbrandinspektor Fuchs offiziell an die Feuerwehr übergeben. Bei einem Blitzschlag in die Scheune der Brauerei Haas im Schnecklein, der zum Glück keinen Brand auslöste, zeigte sich, daß die Herbeiführung des Wassers aus der Ebrach in den nördlichen Ortsteil zu lange dauert. Darum überprüfte man am 5. Juli 1953 mit dem gesamten Schlauchmaterial, wie die einzelnen Ortsteile zu erreichen waren. im südlichen Bereich war der Feuerschutz gewährleistet. Dagegen blieb man im nördlichen Teil auf fremde Hilfe angewiesen. Als Konsequenz daraus entstand der Wunsch nach einem Löschwasserteich, der zum Jubiläum in verbesserter Form als Löschwasserbecken verwirklicht werden soll. Vierzehn Tage später ließen weitere Übungen mit dem gleichen Zweck in Decheldorf und Simmersdorf erkennen, daß dort die Wasserverhältnisse wesentlich günstiger lagen. Ein Antrag an die Gemeinde auf Errichtung eines Schlauchtrockenturmes verlief sich im Trockenen und bleibt eine Aufgabe für die Zukunft. Doch schallte die Gemeinde neue Kombinationsanzüge an, während aus den eingesammelten Jahresbeiträgen von je drei Mark die Dienstmützen bestellt wurden. Beim ersten Einsatz der Motorspritze am 26. Dezember 1954 konnte ein Dachstuhlbrand im Wohnhaus von Margarete Schmidt in der Brühlgasse ohne fremde Hilfe in kürzester Frist eingedämmt werden. 1957 wurde die Wehr zu zwei Einsätzen in die eigene Gemeinde gerufen. Am 18. Juni schlug der Blitz in die Scheune von Joh. Kurzmann und äscherte sie ein. In Simmersdorf brannte am 15. August die Scheune von Kaspar Zürl. Als erste waren die Simmersdorfer mit der alten Druckspritze, dem Geschenk einer Feuerversicherung aus dem Jahre 1880, zur Stelle, bildeten nach alter Väter Sitte eine Eimerkette von der Ebrach zur Brandstätte und bekämpften das Feuer wirkungsvoll, bevor die Motorspritzen eintrafen. Zusammen mit den Wehren von Mühlhausen, Weingartsgreuth, Schirnsdorf, Pommersfelden und Wachenroth standen 131 Wehrmänner in einem harten Einsatz, denn das Wohnhaus hatte bereits im Dachgebälk zu brennen begonnen, konnte aber gehalten werden. Durch den Tod von Vorstand Rattmann mußte die Generalversammlung am 21. Dezember 1957 einen neuen Vorstand wählen. Der frühere Kommandant Johann Beyer wurde einstimmig mit diesem Posten betraut. Da die aktiven Mitglieder eine Alarmanlage für dringend hielten, wurde auf Vorschlag von Vorstand Beyer sofort mit einer Sammlung begonnen. Sie erbrachte schließlich 364,50 DM, womit man eine neuwertige Sirene aus Weisendorf für 310 DM kaufen konnte. Stellvertretender Kommandant Hans Derrer montierte sie auf dem Rathaus, und schon am 14. Januar 1958 konnte sie erprobt werden. Mit dieser kurzen Spanne zwischen Beschlußfassung und Ausführung stellte die FFW einen einmaligen Rekord auf. Im Sommer 1959 zeigte sich bei einer Übung mit den Nachbarwehren Steppach und Schirnsdorf, daß man zu dritt in verhältnismäßig kurzer Zeit die Entfernung von der Mühle bis zur Kotten überbrücken konnte. Friedrich Fleischmann und Friedrich Faatz stellten sich in der Generalversammlung vom 16. Januar 1960 nicht mehr zur Wahl und wurden durch Heinrich Weikert als Kommandant und Hans Schmidt als Kassier ersetzt. Zum Ende dieses Jahres trat Vorstand Beyer zurück und auch Kommandant Weikert stellte seine Mitarbeit ein. In einer außerordentlichen Generalversammlung mit Bürgermeister Hirschmann und Kreisbrandinspektor Fuchs am 12. April 1961 wurde Friedrich Fleischmann als neuer Vorstand und Friedrich Beyer als Kommandant gewählt. Dieser hatte sich bereits 1958 durch den erfolgreichen Besuch der Feuerwehrschule Würzburg eine gediegene Grundlage für seine Aufgabe geschaffen. Sein Stellvertreter wurde Wilhelm Haas, zum neuen Schriftführer wurde Friedrich Schmidt gewählt. Zur sachgemäßen Wartung der Motorspritze nahm Berthold Zöhr 1962 an einem Maschinisteniehrgang in Würzburg teil.

Einer alten bayerischen Tradition gemäß wurde in der Generalversammlung am 6. August 1963 die Freiwillige Feuerwehr durch eine neue Satzung In einen Verein des bürgerlichen Rechts umgewandelt. Zur Wiedergründung des Vereins ließen sich 36 Mitglieder aufnehmen. Als Mitgliedsbeitrag für Aktive wurde eine DM festgesetzt, für Passive vier. Bei der Neuwahl blieben Vorstand, beide Kommandanten und der Kassier im Amt, neuer Schriftführer wurde Leonhard Hertlein, neuer Zeugwart Fritz Hertlein. Da sich die bisherige Motorspritze TS 6/6 vor allem im Zusammenwirken mit benachbarten Wehren als zu schwach erwies, richtete der neue Verwaltungsrat Ende 1963 ein Gesuch an die Gemeinde zur Anschaffung einer TS 8/8 mit Mannschaftswagen. Die alte Ziegier-Motorspritze wollte man nach Decheldorf geben. Dieser Wunsch ging bald in Erfüllung. Die Wehrmänner selbst durften am 25. April 1964 von der Firma Paul Ludwig in Bayreuth eine Tragkraftspritze TS 8/8 mit VW-Motor von 34 PS abholen. Sie war in einen Ford-Taunus-Transit-Kastenwagen 1000 des Autohauses Morgenroth KG Bamberg eingebaut, in dem sechs Mann Platz finden. Für das Fahrzeug hatte die Gemeinde 7509,65 DM zu zahlen, für die Tragkraftspritze 6844,75 DM. Dazu lieferte die Firma Ludwig 15 mal 20 Meter und 1 mal 5 Meter B-Schläuche, 6 mal 15 Meter C-Schläuche, alle in Kunstfaserausführung und weiteres Zubehör für 7.473,30 DM. Das neue Gerät bekam seinen Platz im Feuerwehrgerätehaus neben der Kirche und verdrängte die Saug- und Druckspritze von 1913 in die Maschinenhalle, wo sie ein verdientes Rentnerdasein lebt. Die aufkommende Nostalgiewelle hat ihr das Schicksal der Verschrottung erspart, dem die alte Druckspritze von 1825 zum Opfer gefallen ist. Die noch gut erhaltene TS 6/6 mit 16 B-Schläuchen und 6 C-Schläuchen zu je 15 Meter wurde am 1. Mai 1964 an die Ortschaft Decheldorf übergeben, im Oktober auch die Anzüge für eine Löschgruppe.

Schon wenige Wochen nach ihrer Indienststellung hatte die neue Motorspritze ihre Bewährungsprobe in einem Ernstfall abzulegen. Am 6. Juli 1964 brach im Anwesen von Heinrich Rosenzweig ein Feuer aus, das die Mühlhausener Wehr in gutnachbarlicher Zusammenarbeit mit den Schirnsdorfer Kameraden bereits zwölf Minuten nach dem Alarm bekämpfte. Unterstützt vom Tanklöschfahrzeug der Höchstadter Wehr wurde binnen kurzem das Feuer auf seinen Herd beschränkt. Die Generalversammlung vom 17. Juni 1966 brachte den Verwaltungsrat im wesentlichen auf den heutigen Stand. Anstelle des zurückgetretenen Vorstandes Friedrich Fleischmann wurde Fritz May gewählt, zu seinem Stellvertreter Hans Derrer. Der übrige Verwaltungsrat blieb im Amt, Vereinsbote wurde Georg Schmidt. Mit der modernen Ausstattung der Wehr waren die besten Voraussetzungen für den Erwerb von Leistungsabzeichen in Bronze gegeben. Nach mehreren Übungen bestanden zwei Löschgruppen unter Führung von Manfred Nitschke und Friedrich Beyer die Prüfung durch Kreisbrandinspektor Jakob Schell, Höchstadt. Landrat Dr. Georg Daßler zeichnete zur Feuerschutz:woche am 11. Oktober 1964 in Höchstadt die Wehrmänner mit den Leistungsabzeichen aus. 1967 besuchte Heinrich Leißner mit Erfolg den Grundstufeniehrgang an der Feuerwehrschule in Würzburg. Zusammen mit dem Kommandanten bereitete er den Erwerb weiterer Leistungsabzeichen vor. Kreisbrandinspektor Schell nahm am 27. Juli 1968 zwei Prüfungen ab. Eine Gruppe erfahrener Wehrmänner bestand die Prüfung für das Leistungsabzeichen in Silber. Eine weitere Gruppe mit jungen Feuerwehrleuten hatte Leißner gründlich auf den Erwerb des Leistungsabzeichens in Bronze gedrillt. Alle feierten die bestandene Prüfung bei Bier und Brotzeit im Vereinslokal. Die erworbenen Fähigkeiten wurden in der Folge bei mehreren Einsätzen gebraucht. Durch Blitzschlag entstand in der Nacht vom 14. zum 15. August 1969 ein schweres Schadenfeuer im Anwesen von Sebastian Hertrich in Sambach. Die Mühlhausener Wehr legte in kürzester Frist eine Schlauchleitung von der Reichen Ebrach zum Brandplatz. 1971 gab es viermal Feueralarm, am 16. Juli zu einem Zimmerbrand bei Georg Herzog und am 3. August zu einem Einsatz In Sambach. Ein gefährlicher Brand wütete am 4. August im Anwesen von Peter Hack in Decheldorf, das an eine Nürnberger Familie verpachtet war. Wohnhaus, Scheune und Stall brannten bis auf die Grundmauern nieder, die Rauchsäule war über 15 Kilometer weit zu sehen. Die Wehren aus Höchstadt, Mühlhausen, Oberköst und Decheldorf waren voll damit beschäftigt, die umliegenden Häuser vor den Flammen zu schützen. Ein Flächenbrand erfaßte am 11. August 1974 abgeerntete Getreidefelder in der Geißelpoint. Der stellvertretende Kommandant Haas und Detlef Mehring schulten 1974 sechs junge Mitglieder für die Jugendleistungsprüfung, die sie mit Bravour bestanden. Zuletzt legte im Jublläumsjahr eine Löschgruppe in Decheldorf mit Gruppenführer Erwin Lotter vor Kreisbrandrat Schell die Leistungsprüfung in Bronze ab, ebenso die Jugendgruppe von 1974 mit Gruppenführer Wilhelm Schmidt. Beiden Gruppen werden ihre Leistungsabzeichen am Festabend überreicht. Damit verfügt die FFW Mühlhausen über eine Löschgruppe mit dem silbernen und drei Löschgruppen mit dem bronzenen Leistungsabzeichen und weist einen Ausbildungsstand auf, mit dem sie allen Anforderungen gewachsen ist. Sie zählt jetzt 78 aktive Mitglieder, die einen Jahresbeitrag von drei DM zahlen. Der Gemeinderat beschloß am 13. Mal 1975 die Einführung der Feuerschutzabgabe für alle männlichen Bürger von achtzehn bis sechzig Jahren mit einheitlich zwölf DM. Ein jahrzehntealter Wunsch der Feuerwehr ist damit in Erfüllung gegangen, mit dem der Grundstock für ein neues Gerätehaus gelegt werden kann. Mit ihm käme die Ausrüstung der Wehr auf einen Stand, den benachbarte Gemeinden seit Jahren aufweisen. Verglichen mit den Verhältnissen im vorigen Jahrhundert hat sich die Stellung der Mühlhausener Wehr entscheidend gewandelt, denn sie muß nicht mehr die Rolle eines lästigen Bittstellers spielen. Für die Nachfolger von Bürgermeister Hirschmann, Karl Möhringer, Kaspar Hack und Friedrich Haas, ist die Verbundenheit mit der FFW durch ihre Mitgliedschaft selbstverständlich geworden.

Neben dem gemeinsamen Dienst fördern gesellige Veranstaltungen den Zusammenhalt und die Kameradschaft in der Wehr, bei denen die Beteiligung nichts zu wünschen übrig läßt. Zum Fasching trifft man sich seit 1958 zu einem vergnügten Kappenabend im Vereinslokal. Für die einst so beliebten Feuerwehrbälle sind kaum noch Möglichkeiten vorhanden. Seit 1969 unternimmt man Tagesausflüge mit dem Omnibus, die von Georg Beck geleitet werden. Der erste führte am 29. Juni dieses Jahres zur Zonengrenze im Frankenwald und zu einem Feuerwehrfest in Naila. Am 18. Juli 1971 ging es mit zwei Bussen an den Rhein bei St. Goarshausen. Der Bayerische Wald war das Ausflugsziel am 9. Juli 1972. Einige "Bergsteiger" kamen eher auf dem Arber an als die Liftfahrer. In Heidelberg verlor man sein Herz am 15. Juli 1973. Die Dreiseenfahrt in die Bayerischen Alpen am 21. Juli 1974 artete zu einer Vierseenfahrt aus, denn ein ausdauernder Regen in den Bergen ergänzte als Himmelssee den Tegern-, Schlier- und Spitzingsee. Zum Ausgleich begleitete ideales Reisewetter die Fahrt an die Donau am 8. Juni 1975.

An dieser Stelle muß auf die Feuerwehr in Schirnsdorf eingegangen worden. Auf Grund einer Bürgerbefragung am 10. Februar 1974 wurde die Gemeinde Schirnsdorf aufgelöst und der Ortsteil Schirnsdorf am 1. Juli 1974 an die Gemeinde Mühlhausen angeschlossen. Jedoch bestand schon vor einem Jahrhundert eine Verbindung mit der FFW Mühlhausen. Eines ihrer Gründungsmitglieder war Andreas Lorz in Schirnsdorf, dessen Freundschaft zu Mühlhausen in seiner Familie lebendig geblieben ist. 1886 hatte Schirnsdorf noch keine Freiwillige Feuerwehr, sondern eine Pflichtfeuerwehr mit sechzig Mann. Ihre Steiger trugen rote, die Spritzenmänner gelbe, die Ordnungsmänner blaue und die Chargen weiße Armbinden. Die Geräteausstattung übertraf die von Mühlhausen. Es war bereits die moderne Löschmaschine jener Zeit, eine abprotzbare vierräderige Saug- und Druckspritze, vorhanden, wahrscheinlich Baujahr 1875, sowie eine kleinere Spritze ohne Räder. Dazu gab es eine Anstelleiter ohne Stützstangen, eine zweiholmige Hakenleiter mit zwei Haken und zwei Dachleitern. In diesem Jahr wurden zehn Übungen gehalten. Für die Geräte war ein Feuerhaus vorhanden. Die Bespannung wechselte im Turnus ab, den Feuerreiterdienst besorgten die Pferdebesitzer. Auf einen gewissen Wohlstand lassen die 25 Brunnen im Ort schließen. Als Löschwasserstelle dienten zwei Feuerweiher und die Reiche Ebrach "unfern des Ortes". Bei dieser Ausrüstung genügten sechs Mark als Gesamtkosten des Feuerlöschwesens 1886.

Vor Abschluß des vorliegenden Berichtes ist das alte Kassenbuch der Freiwilligen Feuerwehr Schirnsdorf aufgetaucht, mit dem sich nachweisen läßt, daß sie seit 1892 besteht. Zu ihrer Gründung brauchte man ein Startkapital von 550 Mark, das von Johann Georg Schorr vorgestreckt wurde und dessen vierprozentige Zinsen die Feuerwehr bis 1895 bezahlte. Damit wurden vor allem Uniformen und Ausrüstungsgegenstände beschafft, wie 34 Joppen und 41 Kappen. 1898 verpflichtete sich die Gemeinde, die Schulden von 550 Mark in elf Jahresraten abzuzahlen.

Vor dem Ersten Weltkrieg war Johann Maar Kommandant. Die Zugleiter, die auf einem zweiräderigen Karren transportiert wurde und heute noch vorhanden ist, stammt vermutlich aus dieser Zeit. Nach dem Krieg war zunächst Johann Schorr Kommandant, anschließend Lorenz Engelhardt und Michael Bauereis. Dieser starb 1938 im Alter von 54 Jahren. Darauf übernahm Leonhard Schmidt das Kommando und führte die FFW bis in die Nachkriegszeit. Mit großem Eifer beteiligten sich die Schirnsdorfer Feuerwehrleute an den Einsätzen bei den Brandfällen im Reichen Ebrachgrund, wie sie bereits erwähnt wurden. Kommandant Schmidt dankte in der Generalversammlung vom 18. September 1949 ab. Neuer Kommandant wurde Konrad Geyer 21, Steigerführer Leonhard Seubert, Zeugwart Bürgermeister Fritz Zwanziger, Schriftführer Philipp Klein und Kassier Georg Holler 19. Als Unikum verdient die Versammlung vom 5. März 1950 Erwähnung, die nicht gehalten werden konnte, weil nur das Trio der Letztgenannten erschienen war. Köstlich ihre Reaktion: Der Gemeinderat soll es Brandinspektor Fuchs melden "und der kann dann machen, was er will". Aber am 20. Mai war die heile Weit von Schirnsdorf wieder in Ordnung. "in gutem Geist" wählte man Fritz Faatz zum neuen Kommandanten, Georg Holler zum Schriftführer und Jakob Derrer zum Kassier. Die nächsten Wahlen fanden am 20. April 1958 statt, änderten aber an dieser Besetzung nichts. Am 31. August 1963 wurde die Generalversammlung in der Gastwirtschaft Lorz in Nackendorf gehalten. Fritz Faatz wurde jetzt Vorstand, sein Stellvertreter Leonhard Seubert, der Schriftführer Johann Lorz kam aus Nackendorf, Leonhard Lorz in Schirnsdorf wurde Kommandant, Kassier Paul Baureis. Am 25. April 1967 konnte man in der Schirnsdorfer Gastwirtschaft Schwane wählen. Die 25 anwesenden Mitglieder wählten als neuen Vorstand Heinrich Volland, Kommandant und Kassier blieben im Amt, die Schriftführung übernahm Bürgermeister Zwanziger. Mitglieder, die keinen Dienst leisteten, sollten Jahresbeiträge zahlen. Es wurde eine neue Satzung beschlossen, durch welche die FFW Schirnsdorf in einen Verein des bürgerlichen Rechts umgewandelt wurde. Als letzte Generalversammlung läßt sich die vom 1. Mai 1968 in der Gastwirtschaft Langguth in Nackendorf nachweisen. Kreisbrandinspektor Schell verteilte die Leistungsabzeichen an die zweite Löschgruppe. Die Neuwahlen für die nächsten fünf Jahre änderten nichts an der erwähnten Besetzung des Verwaltungsrates. Die Versammlung muß in einer guten Stimmung 'verlaufen sein, denn sie wurde mit dem Absingen des Feuerwehrliedes beschlossen.

Ähnlich wie in Mühlhausen, versuchte man auch in Schirnsdorf vor der Währungsreform eine Motorspritze anzuschaffen, aber der Versuch scheiterte gleichfalls. In den fünfziger Jahren ließ man sich damit mehr Zeit. Dafür kam man gleich zu einer TS 8/8, deren Anschaffung von der Firma Albert Ziegler, Glengen (Brenz), zum Preis von 9.521,75 DM am 11. August 1957 beschlossen wurde. Sie hat einen VW-Industrie-Motor mit 28 PS und befindet sich Im neuen Gerätehaus. Leider hat man die ehrwürdige Saug- und Druckspritze vor Ihrem hundertsten Geburtstag verschrottet, nur eine armselige Sturmlaterne Ist davon übrig geblieben.

In der Jahresversammlung am 4. März 1975 wurde der Zusammenschluß der beiden Wehren Mühlhausen und Schirnsdorf beschlossen und der Verwaltungsrat mit den Gruppenführern aus den Ortschaften erweitert: Erwin Lotter, Decheldorf, Georg Holler, Schirnsdorf 19, und Walter Popp, Simmersdorf. Durch die Bildung eines Festausschusses begann die Organisationsarbeit für das Jubiläum. Außer dem Verwaltungsrat mit Fritz May, Friedrich Beyer, Wilhelm Haas, Leonhard Hertlein und Hans Schmidt wurden die Mitglieder Walter Bär, Detlef Mehring und Fritz Popp aus Mühlhausen, Georg Holler und Leonhard Lorz aus Schirnsdorf und Erwin Lotter aus Decheldorf sowie Georg Beck in den Festausschuß berufen. Als Vertreter für Simmersdorf kam Georg Roth dazu. Bei den folgenden Beratungen verwertete man die Erfahrungen, welche die Schützengesellschaft 1825 Mühlhausen bei ihrem Jubiläum im vorigen Jahr gemacht hatte. Als Schirmherr konnte Bundestagsabgeordneter Hans Roser, Eckental / Eckenhaid, gewonnen werden, der mit der Geschichte der Feuerwehren in Deutschland wohl vertraut ist. Um den Freundschaftsdienst des Patenvereins wurde aus mehreren Gründen die Nachbarwehr von Pommersfelden gebeten einer davon ist das gemeinsame "Löschwasser", das bisher noch jeden Brand in den ausgetrockneten Kehlen der Wehrmänner gestillt hat. Zu einem Symbol der Zusammengehörigkeit und Kameradschaft wird die neue Fahne, die eine Coburger Fahnenfabrik liefert. Sie trägt auf der feuerwehrroten Vorderseite den Text: Freiwillige Feuerwehr Mühlhausen 1876 - 1976 und ein Motiv mit Schloß und Kirche, dazu das Gemeindewappen. Die Rückseite ist in kardinairot gehalten und zeigt drei Wappen mit einem Blumenkranz und dem Spruch: Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr. Die Fahnenmannschaft wird von Detlef Mehring als Fahnenträger und seinen Begleitern Erwin Lotter und Manfred Sammetinger gestellt. Fahnenbraut ist Inge Beyer, sie wird von Else Hagerer und Inge Thoma begleitet. Die Ehrendamen tragen als schmucke Festkleider lange, dunkeiblaue Röcke und weiße Blusen mit roten Borten.

Während der letzten Vorbereitungen zum Jubiläum wurde die FFW am Nachmittag des 10. Juni 1976 nach Schirnsdorf alarmiert, wo durch Blitzschlag die Scheune von Heinrich Volland mit eingebrachtem Heu in Flammen stand. Das Vieh konnte gerettet werden, die Scheune, der Stall und eine Halle gingen verloren. Den Feuerwehren von Mühlhausen, Höchstadt, Pommersfelden, Steppach, Wachenroth und Weingartsgreuth gelang es, das wütende Element auf seinen Herd zu beschränken. Trotz der vorausgegangenen Trockenheit bewähr. ten sich die beiden Feuerweiher im Osten und Westen des Ortes als zuverläe sige Löschwasserstellen. In Mühlhausen erwartet man zum Fest die Fertigstellung des Löschwasserbeckens, das den Brandschutz auch für die nördlichsten Häuser des Ortes gewährleistet. Es wird nördlich des Bahnübergangs zum Lochweg auf einem Gemeindegrundstück errichtet und kommt laut Angebot der Baufirma Karl Schwarm, Mühlhausen, auf 18.693,78 DM. Zusammen mit den Außenanlagen rechnet man mit rund 27.000 DM Kosten. Die Regierung von Mittelfranken gibt einen Staatszuschuß von 25 Prozent, einen kleineren Zuschuß zahlt die Landesbrandversicherungsanstalt der Bayerischen Versicherungskammer. Das Becken wird mit 24 Zentimeter starken Wänden aus Beton gegossen und nimmt bei einer Grundfläche von 30 Quadratmeter einen Löschwasservorrat von 90 Kubikmeter auf. Nach der Fertigstellung wird es mit Erde bedeckt und begrünt, so daß es nicht störend auffällt. Nur der Entlüftungs- und Einstiegschacht und das Saugrohr schauen aus dem Boden heraus. Am 29. Juni. 1976 wurde bereits damit begonnen. Den letzten "friedlichen" Dienst leisteten die Wehrmänner mit der Bewässerung des neuen Sportplatzes der Spielvereinigung Mühlhausen, dessen neuer Rasen unter der trockenen Witterung des Juni zu verdorren drohte. Bei der katastrophalen Hitze und Wassernot dieser Tage muß man hoffen, daß die Mühlhausener Wehr nur noch zum Aufbau des Festzeltes auf dem Sportplatz gebraucht wird.

Im Rückblick auf die bewegte Geschichte der FFW Mühlhausen im ersten Jahrhundert ihres Bestehens begnügt sich der Verfasser anstelle eines hochtrabenden Schlußwortes mit dem Wunsch, daß es ihr in ihrem zweiten Jahrhundert besser gehen möge. Sie hat es nötig. In diesem Sinne:

Der Freiwilligen Feuerwehr Mühlhausen ein herzliches Glückauf!

Herausgeber der Festschrift: FFW Mühlhausen

Verfasser der Vereinsgeschichte: Georg Beck